Schenksphäre
Meine 7 Ziele als Künstler


Kennst du den Club der toten Dichter? Die Szene, in der Robin Williams das Diagramm zum Messen von Kunst aus den Lehrbüchern reißen lässt, weil sich „Kunst nicht messen lässt“? Recht hat er! Nur wie sich herausstellt, stehe ich total auf solche Messungen. Nicht als Diagramm, aber als prioritisierte Liste von Zielsetzungen habe ich daher mal mein Mission Statement als Künstler erstellt.

Dasselbe würde Mr. Keating wohl auch mit diesem Post anstellen. O Captain, my Captain!

Zum Start meiner Patreon-Kampagne / Phase 2 im September 2018 wollte ich meinen Patrons und allen interessierten Lesern meine generellen Motivationen und Prioritäten bei der Schöpfung eines neuen Werks vorstellen, um einen Einblick in mein Denken und Streben als Künstler zu gewähren.

Könnte interessant werden, das über die Jahre und Projekte zu beobachten 🙂

Dem vorausgegangen ist natürlich einiges an Soul-searching in 15+ Jahren als Künstler (oder „Creator“, ich bin immer noch nicht sicher, was besser klingt). Was du hier liest, ist der aktuelle Stand dieser Introspektion. Es ist eine Mischung aus 1) der Beobachtung meiner vergangenen Entscheidungen und 2) der Beobachtung meiner aktuellen Ziele. Ein Blick also in die Vergangenheit wie in die Zukunft gleichermaßen.

So here we go:

Wann immer ich vor der Schöpfung eines neuen Werks stehe – und während der fortlaufenden Arbeit daran – laufen verschiedenste Überlegungen in meinem Kopf ab. Große Projekte, die Monate und Jahre dauern, müssen mich in die Lage versetzen, verschiedene Ziele zu erreichen. Nur so ist sichergestellt, dass ich dem Projekt all meine Kraft und Zuwendung schenken kann.

Natürlich steht über allem der Spaß – wenn mich das Projekt nicht auf tiefste Weise erfüllt und unterhält, ist es für mich nicht relevant. So gerne ich es dann auch (aus anderen, „vernünftigeren“ Gründen) wollte: Ich werde es nicht angehen; ich kann gar nicht.

Ich, wie ich am x-ten Drehtag von BEYOND THE BRIDGE (2010) viel Spaß habe. 

Aber ähnlich wie bei einem Marathon ist der Begriff „Spaß“ alleine nicht ausreichend, um die vielen Emotionen und Ziele auszudrücken, die mit so einer großen Herausforderung einhergehen. 

Und so habe ich eine Liste von 7 Mission Objectives erstellt, die man meiner Meinung nach mit einem kreativen Projekt erreichen kann, und diese 7 Zielsetzungen in meine persönliche Priorität gebracht.

Mit anderen Worten: Ich will diverse Dinge mit einem Projekt erreichen und das Projekt muss dazu in der Lage sein, mich diese Dinge erreichen zu lassen. Okay? Okay.

In allem, was ich als Künstler also tue, versuche ich, zugleich mehrere Ziele zu erreichen. Obwohl diese für einzelne Arbeiten variieren können, gelten im Grundsatz immer die folgenden, und zwar in dieser Priorität:

  1. Selbstverwirklichung: Ich will das, was in meinem Innersten vorgeht, in eine für andere Menschen erfahrbare Form bringen.
  2. Qualität: Ich will ein handwerklich solides Werk erschaffen, das mir persönlich zusagt.
  3. Resonanz: Ich will ein möglichst großes Publikum berühren.
  4. Selbstverbesserung: Ich will mich als Individuum weiterentwickeln.
  5. Existenzsicherung: Ich will Geld verdienen und davon leben können.
  6. Fan Service: Ich will die Erwartungen meines bestehenden Publikums erfüllen.
  7. Ruhm: Ich will meinen Bekanntheitsgrad steigern.

Als Künstler besser werden heißt für mich, in diesen einzelnen Punkten besser zu werden, ohne dass sich die generelle Priorität verändert, also ohne dass die anderen Punkte jeweils zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

Es ist durchaus ein Unterschied, ob beispielsweise der Punkt „Ruhm“ an erster Stelle steht oder an letzter, und wo sich der Punkt „Existenzsicherung“ findet. Oder der Punkt „Qualität“. Eine Änderung der Prioritäten kann zu verschiedenen Ergebnissen führen.

Ich glaube aber nicht, dass es eine „bessere“ oder „schlechtere“ Prioritisierung dieser Zielsetzungen (oder Mission Objectives) gibt. Jeder Künstler trifft diese Prioritisierung für sich selbst, bei jedem Projekt. Ganz exakt und nur so, wie er es in seinem Inneren fühlt.

Im Grunde lässt sich diese Prioritätenliste nicht nur bei der Wahl des Projekts, sondern auch bei (fast) jeder einzelnen kreativen Entscheidung auf dem Weg anwenden. 

  • Soll die Story diesen unerwarteten Twist nehmen?
  • Nehme ich diesen berühmten, aber unsympathischen Schauspieler?
  • Versuchen wir, den Film bis zu diesem Festival fertigzustellen?

Nicht jede Entscheidung berührt jedes Mission Objective – Hauptsache jedoch ist, dass kein unwichtiges Mission Objective einem wichtigeren Mission Objective zuwiderläuft. Umgekehrt wäre dies weniger problematisch. Wobei das Ziel bei jeder Entscheidung stets ist, möglichst viele Mission Objectives auf einmal zu erreichen.

Das ist also mein Mission Statement:

Möglichst oft möglichst viele der 7 Mission Objectives erreichen, ohne dass ein niederes Mission Objective einem höheren zuwiderläuft.

Nnatürlich läuft das in der Praxis nicht streng nach Checkliste ab, und garantiert nicht bei jeder. Einzelnen. Entscheidung. Es ist mehr ein allgemeines Gefühl, meine allgemeine „Stoßrichtung“. In Worte gebracht für dich 🙂

Ich (rechts), wie ich beim Dreh zu einem Musikvideo meine Prioritätencheckliste durchgehe. Just kidding.

An manchen Tagen werden sich meine Prioritäten eventuell ändern… und vielleicht habe ich jetzt, da ich mein Innerstes in eine für andere Menschen erfahrbare Form gebracht habe, überhaupt keine Lust mehr auf diese Ordnung 😉 Das Mysterium der Kunst.

Mr. Keating approves.

Was diese Liste aber zweifelsfrei zum Ausdruck bringt, ist, dass kreative Entscheidungen nicht aus einfachen Entweder-Oder-Blöcken bestehen, und dass viele Zielsetzungen zugleich eine Rolle spielen. 

Es gibt sicher noch andere Zielsetzungen oder „Mission Objectives“ für einen Künstler, nur sind mir keine weiteren eingefallen und ich fand die Zahl 7 ziemlich catchy 🙂

Ich rate jedem Künstler, in sich zu gehen und seine eigene Priorität dieser 7 Punkte aufzustellen.

Es kann zu sehr verschiedenen Lebensweisen führen.