Schenksphäre
Die unglaubliche Bobby-Wayne-Story #03


Bobby’s Life

Bobby Wayne ist ein Mysterium für mich.

Zum einen, weil ich überhaupt nicht in seinen Kopf hereinschauen kann. Welche Motivation hat er gehabt? Wozu sollte er diese ganzen Geschichten erzählen? Welchen Nutzen hat er sich erhofft? Welche Notwendigkeit gesehen?
Zum anderen, weil alle von ihm geschilderten Ereignisse durchaus denkbar bleiben. Die Bobby Wayne Story ist nicht unrealistisch; nur unwahrscheinlich.


Theorien habe ich viele, so ist das nicht. Und mit je mehr Leuten ich rede, umso mehr Theorien kommen dazu. Aber was steckt wirklich dahinter?

Mit ein bisschen persönlichem Einsatz ließe sich das Geheimnis sicher lüften. Du weißt schon, ans Telefon schwingen und ein paar Leuten aushorchen; ins Auto schwingen und ein paar Orte abklappern; in eine Detektei schwingen und einen Schnüffler engagieren.

Aber ich bin ein beschäftigter Mensch, der vor lauter Arbeit nicht mehr weiß, wohin. Alleine diese Story zu schreiben bedeutet schon mehr Aufwand, als ich mir leisten sollte. Außerdem bin ich faul. Sehr faul. Und vielleicht finde ich den Gedanken reizvoll, es nicht zu wissen. Alles was ich sagen kann, ist, dass mich eine ausgedehnte Internet-Recherche nicht schlauer gemacht hat.

Zurück zur Story.

Ich hatte mit Bobby Wayne verabredet, anderthalb Monate später das Uwe Boll Filmset in Kroatien unsicher zu machen. Natürlich hatte dieser Kontakt mein Interesse entfacht. Ich wollte ihn näher kennenlernen und sehen, ob zusätzliche Infos seine mysteriöse Person aufhellen würden.

Und, ganz im Ernst, vielleicht ist es dieses Interesse gewesen, was alle weiteren Theorien überflüssig macht. Vielleicht hat es Bobby Wayne einfach genossen, Beachtung von einem jungem Filmemacher geschenkt zu bekommen (er ist btw. auch ein A Gamer’s Day Fan). Und je mehr ich wissen wollte, umso mehr erzählte er halt.

Wir vertieften unsere Korrespondenz und wechselten von Facebook zu Skype (wooohoooo, denkst du dir jetzt – ganz schön krass, von Facebook zu Skype – Daniel was bist du nur für ein Internet-Opfer…)

Und so erfuhr ich im Laufe unseres Kontaktes eine ganze Menge über ihn, was ich als „Bobby’s Life“ zusammenfasse. Alles, was ich hier schreibe, wurde im Laufe von ca. 6 Wochen in zahllosen Chats und zwei Telefonaten zusammengetragen.

Bobby Wayne wurde in Deutschland geboren, zog mit seinen Eltern aber im Kindesalter nach Amerika. Schon als kleiner Fratz war er ein Abenteurer; bis heute trägt ihm seine Mutter nach, dass er mit etwa 6 Jahren aus dem Fenster ihrer Wohnung des 4. Stocks über die Regenrinne in den Hinterhof rutschte. Sie war so sauer, dass sie ihr Lieblingsküchenwerkzeug – ich glaube, es war ein Kochlöffel – an seinem Hintern kaputt schlug, was auch der Grund für ihren andauernden Ärger ist.

Die Integration in Amerika fiel Bobby Wayne nicht leicht, zumal sich seine Eltern alsbald trennten. Vor seinen Mitschülern galt er als Außenseiter, weil er schon früh das Wall Street Journal und ähnliche Wirtschaftsmagazine las. Aber er stand seinen Mann und besuchte am Schluss eine renommierte Business Universität in Californien. Obwohl er dort auffällig war und Beteiligter vieler Schulstreiche wurde, gehörte er zu den besten seines Jahrgangs. Defacto war er so gut, dass er direkt nach seinem Master von einem Flugzeughersteller Unternehmen abgegriffen wurde, wo er als Foreign Business Consultant arbeitete. Später sollte er dieses Unternehmen aus dem Ruin in eine neue Blüte zurückführen, aber dazu kommen wir noch in allen Details.

Zuvor gab es seine Bundeswehr-Zeit. Richtig gelesen, Bobby Wayne kehrte für seine Wehrpflicht nach Deutschland zurück und absolvierte hier seinen regulären Wehrdienst.

Gelinde gesagt war er als Soldat verhaltensauffällig. Er hatte schon immer ein Problem mit Autoritäten und ließ das in der Bundeswehr hemmungslos heraus. Zweimal wurden Disziplinarverfahren eingeleitet und ich glaube, er wurde degradiert und mit einer Beförderungssperre versehen.

Die beiden interessantesten Bundeswehr-Episoden will ich nicht vorenthalten. Beide erzählte er mir in einem Skype-Telefonat bis in die frühen Morgenstunden.

Einmal hielt er mit zwei Freunden während einer Außenübung Wache. Es war nachts und alle schliefen. Neben dem Kommandozelt stand ein Wolf (Militärjeep) und die Handbremse war nicht angezogen. Also entschieden sich die drei vor lauter Langeweile, im nahegelegenen Wald ein Loch auszuheben. Nach einiger Zeit war es dann groß genug, um den kompletten Wolf (!) hineinschieben zu können. Sie bedeckten ihn wieder mit Erde, verteilten Blätter und am Ende schaute nur noch die Antenne heraus. Am nächsten Morgen war der Aufruhr groß; der Wolf war spurlos verschwunden! Die drei fanden ihren Streich so witzig, dass sie ihn nicht auflösten. Sie waren zwar die Wachen, aber scheinbar nicht für das Kommandozelt zuständig gewesen; also gab es nur einen Klapps auf die Finger. Bobby schlussfolgerte, dass der Jeep wahrscheinlich heute noch in dem Waldstück schlummert.

Ein anderes Mal wurden ein paar Soldaten in der nahegelegenen Dorfkneipe verschlagen. In der selben Nacht ließ der Kompaniefeldwebel alle Soldaten antreten und stellte ein Vergeltungskommando aus loyalen Kameraden zusammen, die im Truppentransporter zur Kneipe fuhren und diese im Gegenzug kurz und klein schlugen. Knackig organisiert wie eine Militäroperation.

Zurück nach Amerika (und Deutschland, und Schweden – ab jetzt ist Bobby Wayne ein Globetrotter).

Die Zeit zwischen seinen ersten Jahren bei dem Flugzeughersteller und heute ist etwas nebulös. Auf alle Fälle konnte er nicht sehr lange dort gearbeitet haben, weil das Unternehmen 2007 bankrott ging. Da war Bobby ca. 24 Jahre alt (das habe ich mir aus seinem heutigen Alter von 27 hergeleitet).

Zwar hat er nicht explizit davon gesprochen – er sagte nur immer, er mache viele Sachen und mir z.B. über Facebook zu erklären, was er genau täte, das würde den Rahmen sprengen – aber durch meine Recherchen auf seinen diversen Internet-Präsenzen (Social Networks etc.) fand ich heraus, dass er Besitzer mindestens zweier Firmen wurde.

Die eine produzierte laut den spärlichen Informationen ihres Profils Reality-TV-Inhalte. Hier tut sich ein interessanter Querverweis zu einer Anekdote auf, die mir Bobby ziemlich früh erzählte. Und gleichzeitig entstehen Ungereimtheiten. Ich erzähle dir in einem Augenblick davon.

Die andere Firma schien ein Immobilienbüro in Hong Kong zu sein, allerdings war ihr Name so generisch, dass eine Google Suche keine weiteren Ergebnisse brachte. Das passt auf merkwürdige Weise ins Bild, weil Bobby Wayne öfters mitten in der Nacht unsere Skype-Chats beendete, um Telefonkonferenzen mit Asien zu schalten. Hm.

Die Anekdote, von der ich eben sprach, nenne ich auch gerne die Taff-Episode. Sie ist neben dem Asia-Walk (Name entschärft) eine der beiden einzigen Anekdoten, die sich faktisch nachweisen lassen. Klingt es zynisch, wenn ich dazuschreibe, dass ausgerechnet diese beiden Anekdoten das allererste waren, was Bobby Wayne von sich preisgab? Wäre ich persönlich ein Hochstapler, ich würde es auf jeden Fall genauso machen. Andererseits sind beide Geschichten wirklich amüsant zu erzählen.

Beschleunigen wir das Tempo, dieser Post endet gar nicht mehr und es gibt noch so viel zu erzählen!

Die Taff-Episode.

Kurz gesagt sprang Bobby für einen Freund in Not ein. Denn, so Bobby wörtlich: „Für meine Freunde reiße ich mir den Arsch auf.“

Sein Freund hatte zusammen mit drei Chaoten eine Website aufgezogen, die schlecht lief. Ihr Konzept war aus Amerika kopiert. Muss ja nicht immer klappen. Gleichzeitig hatte sich die gemeinsame GbR hoch verschuldet.

Eines Tages sollte ein einschlägiges Boulevard-Magazin über die Website berichten, und die Chaoten-GbR kam auf die glorreiche Idee, einen Schauspieler zu engagieren, der sich als amerikanischer Fanboy ausgeben sollte! Um den immensen Erfolg zu illustrieren.

Nun wollte dieser Schauspieler aber sein Geld vorher haben und die GbR war pleite. Der Schauspieler ging, das Boulevardmagazin kam.

Also half Bobby Wayne aus und trat in dem Fernsehbeitrag als Fanboy von Übersee auf. Immerhin hatte er seine Jugend in den USA verbracht. Etwas nervös stotterte er sich mit amerikanischem Akzent ein Loblied auf die Website zusammen.

Dieser Beitrag existiert wirklich, man kann ihn auf YouTube bestaunen. Und Bobby wurde nicht müde, zu betonen, wieviel Feedback er dafür bekam.

Die Website ging trotzdem pleite.

Wie passt die Taff-Episode ins Bild? Sie zeigt, dass ein paar von Bobbys Unglaublichkeiten faktisch belegbar sind. Aber Hand aufs Herz: Sooo unwahrscheinlich ist es nun auch nicht, in unserer heutigen Zeit ins Fernsehen zu kommen. Und für die witzige Backstory gibt es auch keinen Beleg.

Bei meiner Recherche fand ich nur heraus, dass Bobby „Hausverbot“ bei der GbR hatte. Irgendetwas musste also vorgefallen sein.

Kommen wir damit zur letzten Anekdote und wieder zurück auf die „Timeline“ von Bobby’s Life.

Asia-Walk.

Als der Flugzeughersteller 2007 bankrott ging, steckte Bobby wohl in einer Sinnkrise.

Im Suff mit einem Freund kam er jedenfalls auf die Idee, ein Laufprojekt zu initiieren. Das sind diese Projekte, wo Menschen ganz ganz weit wandern/laufen/schwimmen/fliegen/hüpfen um entweder der Welt etwas gutes zu tun oder um der Gesellschaft die kalte Schulter zu zeigen. Wie Forrest Gump, nur mit Hintergedanken.

Bobby und sein Freund planten ein Jahr ein, um von Deutschland nach Asien zu marschieren, zu einem großen (Welt-)Event.

Er aktivierte seine Kontakte als Business Consultant und binnen kürzester Zeit waren sie von Sponsoren und guter Presse umgeben!

Das ging so weit, dass sie YouTube Botschaften von Leuten wie Uwe Boll bekamen (da schließt sich der Kreis), um ihnen auf ihrer Reise Mut zu machen. Sogar Til Schweiger soll eine Botschaft formuliert haben, doch die ging niemals online.

Der Grund: Bobby stieg wenige Tage vor dem Start aus.

Mir erzählte er, dass es was mit seinem Kollegen zutun gehabt hatte. Da waren Begriffe wie „politische Einstellung“ und „Veruntreuung“ im Raum. Mehr wollte er nicht sagen – aber das sagte er mir etwa zwei Stunden lang.

Auf alle Fälle lässt sich auch der Asia-Walk im Internet nachvollziehen; das Projekt hat existiert. Wird die Glaubwürdigkeit dadurch geschmälert, dass es nie startete? Sagen wir mal, es lässt an der Entschlossenheit Bobbys Zweifeln…

Auch die Begegnungen in Bobby Waynes Leben sind bemerkenswert.

Es ist schon spät und der Post bereits sehr lang, daher gehe ich nicht mehr ins Detail. Was ich sagen kann, ist, dass er Schauspielerinnen durch Autounfälle kennenlernte und Marketingchefs durch Hotel-Smalltalks; dass er Grenzsoldaten (er wohnte an der Berliner Mauer) aus seiner Kindheit nach über einem Jahrzehnt auf der Straße traf, wo diese gerade von ihm sprachen. Wenn mir noch eine Begegnung einfällt, editiere ich hier nach.

Bobby Wayne betonte stets selbst, dass seine Lebensbegegnungen von krassen Zufällen lebten. Mit diesem Eingeständnis waren dann alle Zweifel ausgeräumt.

Das ist es in groben Zügen gewesen, Bobby’s Life. Ich werde sicher zu einigen Anekdoten zurückkehren. Wenn dich diese langer Post nicht abgeschreckt hat, dann freue dich auf Part #4, wo ich die spannenden Wochen bis zum Flug nach Kroatien erzähle und davon, wie Bobby Wayne einen 150-Millionen-Dollar-Kredit zur Wiederbelebung seiner alten Firma in die Wege leitete.

… to be continued…