Schenksphäre
Die unglaubliche Bobby-Wayne-Story #04


Eine Red Scarlet Kamera und 150 Millionen Dollar Kredit

Wenn sich die Bobby Wayne Story in allen Details als wahr erweist, habe ich wieder etwas über den Kosmos gelernt. Nämlich dass der Zufall im universellen Treiben einen wesentlich höheren Stellenwert einnimmt, als ich mir eingestehen wollte.

Die Wochen zwischen unserem Erstkontakt und dem Uwe Boll Set in Kroatien waren sehr ereignisreich. Der erste Eindruck von Bobby war hervorragend (auch wenn er gerne viel redete). Dieses Statement entfachte das Feuer:
Ich kann Dich sicherlich nicht in die major Studios bringen, aber Dir vielleicht den ein oder anderen Kontakt herstellen in der Hoffnung das sich dadurch vielleicht etwas ergibt das uns allen am Herzen liegt. Und zwar gute Filme.

Er versprach mir gleich zu Beginn zwei Berlinale Tickets – wie zur Untermauerung seines Netzwerks.

Und mit diesen Berlinale Tickets begann die ganze Chose.

Ich war nicht scharf darauf, auf die Berlinale zu gehen. Aber es war ein tolles Angebot und es wäre sehr unhöflich gewesen, abzusagen. Also wartete ich auf meine beiden Berlinale Tickets und lud meinen befreundeten Kameramann ein – denselben, der später nach Kroatien kommen sollte.

Der aber war skeptisch. Nicht wegen Bobby Wayne; aber seines Wissens nach liefen die Berlinale Tickets über eine namentliche Akkreditierung, und die Anmeldephase sei schon im letzten Jahr ausgelaufen.

In voller Großzügigkeit meines erteilten Vertrauenskredits ging ich davon aus, dass dies umso mehr für die Güte von Bobby Waynes Kontakten sprach. Hatte er eben einen Shortcut vorbei an den Warteschlangen, ätsch!

Er wollte sie mir zuschicken. Alles klar. So lief das im Hintergrund weiter.

Interessanter wurde die Geschichte, als wir auf mein neues Filmprojekt zu sprechen kamen. Denn Bobby Wayne war sehr interessiert, in diesen Film zu investieren!

Das machte mich neugierig, denn zu diesem Zeitpunkt hatte sich Bobby Wayne bereits als erfolgreicher Jung-Unternehmer positioniert. Nach seiner Zeit beim Flugzeuhersteller arbeitete er als Business Kontakter und verdiente auf Provisionsbasis, wann immer er Kontakte zusammenbrachte. Das schien viel Geld einzubringen.

Außerdem war sein Vater Besitzer einer Sicherheitsfirma in Las Vegas und hatte seinen Sohn seit jeher in dessen Unternehmungen unterstützt. Habe ich das noch nicht erzählt?

Und genau hier wird es Zeit, den größten Coup von Bobby Wayne aus dem Sack zu lassen. Er war omnipräsent und schwebte über allen Chats und Telefonaten.

Kurz zuvor war Bobby Wayne mit einem 500-seitigen Businessplan fertig geworden. Dieser Plan sollte einem großen Joint-Venture-Unternehmen (Kapitalgeber) vorgelegt werden. Er hatte nichts Geringeres vor, als den Flugzeughersteller, der 2007 bankrott gegangen war, neu aufzubauen. Derselbe Flugzeughersteller, der ihn von der Universität abgegriffen hatte. Derselbe Flugzeughersteller, bei dem er 3-4 Jahre lang als Foreign Business Consultant gearbeitet hatte.

Er brauchte nur ein wenig Kapital, um den Laden wieder aufzumachen. Das neue Flugzeug stand als Prototyp fertig im Hangar. Man hätte sofort mit der Massenproduktion beginnen und viel Geld einfahren können.

Konkret sprechen wir von einem 150 Millionen Dollar Kredit.

Jop.

In seinem Skype Status hatte er meistens „Living the dream…“ stehen, was bei so einem gigantischen Projekt nachvollziehbar ist.

Zwischendurch erzählte er, monatlich 30.000 Dollar für eine Sicherheitsfirma aus eigener Tasche zu zahlen, die den Hangar bewachen sollte. Außerdem hatte er bereits 50.000 Dollar für die „Brand“ ausgegeben, also für Visitenkarten, T-Shirts usw. Insgesamt steckte 80% seines gesamten Geldes in dem Projekt. Ohne den Kredit in der Tasche.

Das war umso ärgerlicher, weil Rechtsstreitigkeiten mit dem ursprünglichen Besitzer aufkamen. Der wollte zu viel Geld für den Namen, also musste alles geändert werden.

Das führte auch zur nächsten „Delle“ in unserem Kontakt. Die erste waren die Berlinale Tickets, die niemals ankamen.

Wir beschlossen nämlich, dass wir uns treffen wollten. Vor Kroatien. Zum Investment. Bobby versetzte mich drei Mal, obwohl er dieses Treffen selbst vorgeschlagen hatte. Er war immer unterwegs und bekam es am Ende „nicht mehr hin“. Sein Projekt und die Anwalts-Meetings gingen vor.

Busy Man, dachte ich eben.

Beim letzten Mal schaufelte ich mir ein Zeitfenster, wir verabredeten uns fest – und er war angeblich in New York.

Das warf einen Schatten. Überhaupt keine Sicherheit haben, selbst bei festen Terminen? Keine Absage, keine Entschuldigung? Erste Zweifel kamen auf. Busy Man hin oder her.

Doch immerhin war die RED Scarlet auf dem Weg!

Was das wieder ist?

Ich hatte Bobby von meinem Film erzählt und davon, dass wir noch die richtige Kamera suchen. Dann begann ich von der RED Scarlet zu schwärmen, einer Kamera der nächsten Generation. Problem: Diese Kamera war noch gar nicht auf dem Markt.

Bobby meinte, er würde mal Danny fragen. Danny war der Marketingchef, der ihm auch die Berlinale Tickets besorgen wollte.

Am nächsten Morgen schrieb mir Bobby eine lässige, kurze Skypenachricht:

„Also die Red Scarlet ist auf dem Weg, sollte so in 6-8 Wochen da sein.“

oO

Soviel Blut ist mir selten auf einmal in den Kopf geschossen. Vielleicht noch damals, als mir mein Schulfreund die Pizza-Face Actionfigur versprochen hatte.

Ich konnte es kaum fassen, stammelte in Skype vor mich hin… und rief Bobby am Abend an, freudentrunken. Der konnte den ganzen Radau gar nicht verstehen.

„Wir verrechnen das einfach mit deiner Gage später. Wenn die Kamera dein größtes Problem für den Film ist, dann sollst du dir keinen Kopf machen.“

Wieso kann die Welt nicht immer so einfach sein?

Achja, welche Gage fragst du jetzt. Das ist die andere Geschichte.

Bobby wollte mich als Regisseur für den Imagefilm haben. Den Imagefilm für sein künftiges Flugzeugunternehmen.

Er schickte mir den Link zu dem letzten Imagefilm. Der sah ganz gut aus. Ich hätte es besser hinbekommen.

Vor allem dann, als Bobby mir das Budget dieses Imagefilms offenbarte:

1,2 Millionen Dollar.

Der Film war ca. 5 Minuten lang, sowas hatte ich noch nie gehört. Mit dem Geld hätte man eine Hollywood Crew engagieren können.Scheinbar, dachte ich mir, hat die Produktionsfirma ein gutes Geschäft gemacht, weil die BESTEN wurden für dieses Geld nicht eingekauft.

Jetzt verstehst du auch, wieso die RED Scarlet mit ihren ca. 3000 Dollar Peanuts für Bobby Wayne waren.

Ich freute mich also auf die RED Scarlet und auf meine Restgage für den Imagefilm, den ich Ende des Jahres drehen sollte. Für ca. eine Million Dollar.

Perfekt!

Und zuletzt gelang unser Treffen doch. Bobby kam nach Köln, um dort eine Zweigfiliale für sein Unternehmen aufzubauen. Direkt über den Büros von Brainpool (Stefan Raab).

Wir trafen uns im Hotel und er trug eine „Brand“-Jacke (Name des Flugzeugunternehmens eingestickt). Ich glaubte, das wäre aus seinem 50.000-Dollar-Merchandise-Fundus. Defacto hätte das genauso gut eine Jacke von damals sein können, ein Geschenk der Firma an ihre Mitarbeiter.

Wir sprachen über meinen Film und davon, wie er gerne mit 10.000 Euro investieren würde. Als zinsloses Darlehen! Very cool. In einem zweiten Schritt wollte er dann mit mir zusammen eine Limited in England gründen, die für die Auswertung zuständig war. Er würde die Gründungskosten tragen und zwei Marketingleute einstellen – und das komplette Entscheidungsrecht über alle Strategien sollte bei mir liegen. Er wolle sich im Hintergrund halten. Hatte ja genug anderes zutun.

Das klang traumhaft, und ich fragte mich: „Habe ich ihn endlich gefunden? Den einen, den perfekten Businesspartner?“

Wir vereinbarten, einen Vertrag aufzusetzen. Der sollte dann in Kroatien unterschrieben werden. Die RED Scarlet war auf ihrem Weg von Los Angeles nach Berlin. Ich würde bald High-Class-Imagefilme drehen. Ich würde Uwe Boll, einen internationalen Filmproduzenten, kennenlernen. Ich hatte das Geld und einen potenten Partner für mein Abenteuer „Film“.

Perfekt.

Was ich nicht hatte, waren die Berlinale Tickets. Egal. War nicht scharf drauf.

Und dann kam Kroatien. Lese im nächsten Post, wie sechs Meter Luftlinie zu Uwe Boll am Frühstücksbuffet mein einziger Kontakt wurden, wie wir am Film-Set genauso willkommen wie dahergelaufene Passanten waren, und wie ein tragischer Zwischenfall Bobby Wayne aus Kroatien flüchten ließ, bevor er auch nur zum geringsten Networking ausholen konnte.

…to be continued…